VR headset and lab equipment at the Immersive Reality Lab, Hochschule Hamm-Lippstadt — illustrative image for our visit to Klinikum Lippstadt.

Virtual Reality im OP: Zu Besuch im Klinikum Lippstadt

Am 1. Juni 2026 haben wir an der Veranstaltung „Virtuelle Simulation im pflegerischen Alltag“ teilgenommen – der ersten ihrer Art, ausgerichtet von der Wirtschaftsförderung Kreis Soest (wfg) im Klinikum Lippstadt. Rund 20 Pflegeunternehmen, Einrichtungen und Hochschulen aus Südwestfalen kamen zusammen, um sich über digitale Technologien für die Zukunft der Pflege auszutauschen.

Die Veranstaltung ist Teil der größeren wfg-Initiative „Transformation der Pflegewirtschaft Südwestfalen“, die durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union mitfinanziert wird – und für uns eine seltene Gelegenheit, immersive Technologie bereits im klinischen Einsatz außerhalb unseres eigenen Labors zu erleben.

VR im Operationssaal

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Virtual-Reality-Anwendung, die im Klinikum Lippstadt bereits im OP eingesetzt wird. Patient:innen, die sich einem Eingriff in örtlicher Betäubung oder Teilnarkose unterziehen, können ein VR-Headset tragen und währenddessen in beruhigende Umgebungen eintauchen – von ruhigen Naturszenen bis zu sanften Tiergeräuschen.

Laut den hausinternen Auswertungen ist die Wirkung messbar: Patient:innen berichten von weniger Angst vor der Operation, und die durchschnittliche Herzfrequenz während des Eingriffs wird positiv beeinflusst. Die Pflegekräfte Marion Gottbrath und Monika Cilensek beschrieben, wie die Anwendung Operationen für Patient:innen spürbar angenehmer machen und gleichzeitig das Pflegepersonal entlasten kann.

Die Teilnehmenden, darunter auch unser Team, konnten das Headset selbst ausprobieren und die beruhigenden Umgebungen unmittelbar erleben – eine gute Erinnerung daran, dass das überzeugendste Argument für immersive Technologie im Gesundheitswesen oft einfach das Aufsetzen des Headsets ist.

Den vollständigen Bericht der Wirtschaftsförderung Kreis Soest lesen

Anknüpfung an unsere eigene Forschung

Der Ansatz des Klinikums Lippstadt fügt sich in eine Forschungsrichtung ein, die wir am Immersive Reality Lab genau verfolgen: den Einsatz XR- und biosensorgestützter Methoden zur Reduktion von Stress und Angst im klinischen und pflegerischen Kontext. Unser eigenes Projekt BGF Pflege etwa entwickelte digitale Assessment-Instrumente, um gesundheitliche Belastungen von Mitarbeitenden und Bewohner:innen in der stationären Langzeitpflege zu erkennen und zu reduzieren.

Im weiteren Sinne fallen beruhigungs- und expositionsorientierte Anwendungen wie die im Klinikum Lippstadt gezeigte in einen Forschungsschwerpunkt, den wir als XR und KI in Therapie und Diagnostik beschreiben – von Expositionstraining bis kognitiver Unterstützung.

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Warum regionaler Austausch wichtig ist

Veranstaltungen wie diese sind gerade deshalb wertvoll, weil sie keine akademischen Konferenzen sind. Sie bringen Klinikpersonal, Pflegeeinrichtungen, Technologieentwickler:innen und Forschende an einen Tisch, um zu vergleichen, was tatsächlich am Krankenbett funktioniert – nicht nur im Labor.

Für angewandte XR-Forschung ist diese Art von direktem Feedback aus der klinischen Praxis kaum zu ersetzen – es prägt, welche Probleme es wert sind, gelöst zu werden, und welche technischen Details für Patient:innen und Personal tatsächlich zählen.

Eine kleine Veranstaltung mit klarer Botschaft

Die Botschaft des Klinikums Lippstadt war einfach: Immersive Technologie muss nicht komplex sein, um einen Unterschied zu machen. Ein VR-Headset, eine beruhigende Umgebung und wenige Minuten können einen belastenden Moment im Alltag eines Menschen messbar erleichtern.

Wir freuen uns auf weitere Austauschformate dieser Art in der Region – und darauf zu sehen, wie digitale Simulation ihren Platz im pflegerischen Alltag weiter findet.

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